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Ein Streifzug durch die Geschichte des Egerlandes

Die ersten Menschenspuren im Egerland weisen in das Ende der jüngeren Steinzeit und damit in die Periode um etwa 3.000 vor Christus. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass auch schon der Altsteinzeitmensch durch dieses Gebiet streifte. In der Bronzezeit sind eine Anzahl von Siedlungen im Egerer Land einwandfrei nachgewiesen. Später kamen die Kelten ins Egerland. Sie waren Bauern und Viehzüchter und betrieben Töpferei, Metallbearbeitung und webten. Fest steht, dass der Name Eger keltischen Ursprungs ist. Auf die Kelten folgten germanische Stämme. Mit der mittelalterlichen Kolonisation im 11. bis 13. Jahrhundert kamen bayerische und fränkische Siedler und das Egerer Becken wurde ein geschlossenes deutsches Sprach- und Siedlungsgebiet. Die freie Reichsstadt Eger wurde 1061 erstmals in einer Königsurkunde Heinrichs IV. erwähnt und bekam 1279 von Kaiser Rudolf von Habsburg das Stadtrecht verliehen.

 

Der Stauferkaiser Friedrich Barbarossa baute die Egerer Burg ab 1180 zu einer Kaiserburg aus. Von Eger aus erfolgte die Erschließung des Landes und die Gründung von Dörfern, Städten, Klöstern, Burgen und Schlössern.

 

Damit hatten sich im Egerer Becken Vorgänge angebahnt, die die Landschaft auf eine neue Entwicklungsebene hoben. Mit der kolonisatorischen Ausweitung des gesamten Landstrichs entstand gleichzeitig ein neuer Volksschlag: Die Egerländer. Mundart, Brauchtum und Sitte kennzeichneten das gemeinsame Volksgut.

 

Die seither freie deutsche Reichsstadt Eger wurde im Jahre 1322 vom deutschen König, Ludwig der Bayer, an den Böhmenkönig Johann von Luxemburg verpfändet. Dieses Pfand war der Dank für die Unterstützung des Königs von Böhmen in der Schlacht von Mühldorf, die die Kämpfe zwischen den beiden Gegenkönigen Ludwig der Bayer und Friedrich der Schöne von Österreich um den deutschen Thron entschied. Diese Verpfändung wurde nie mehr rückgängig gemacht und so blieb Eger bis 1918, als Pfand, Teil des böhmischen Königreichs und wurde danach zwangsweise in die neugegründete Tschechoslowakische Republik einbezogen. Im "Egerländer Freiheitsbrief” wurden den Egerländern zwar besondere Rechte zuerkannt und auch die Sonderstellung des Egerer Landtags blieb bis 1919 erhalten. Trotzdem fühlten sich die Egerländer nie nach Prag hingezogen.

 

Die Zeit unter der Herrschaft Kaiser Karls IV. (1346-1376) bezeichnet man als das "Goldene Zeitalter Böhmens”. Der Böhmenkönig war seit dem Tode Kaiser Ludwigs als Karl der IV. anerkannter deutscher König, und Böhmen selbst als vornehmlichstes Kurland den anderen deutschen Kurfürstentümern rangmäßig überlegen. In einer Urkunde versprach Karl IV., dass er das Egerland niemals als Pfand versetzen und in keiner anderen Art der Entfremdung vom Reich und der Krone Böhmen trennen werde. Er verschaffte der Stadt Eger durch vielfältige Privilegien in der Folgezeit viele Vorteile in den böhmischen Ländern, um sie, trotz der lockeren staatsrechtlichen Verbindung mit Böhmen, mehr an das Land zu binden.

 

Die Hussitenkriege und später der Dreißigjährige Krieg zerstörten das Land. Mit ihrer ungeheuren zerstörerischen Macht zogen ab etwa 1420 die Hussiten durch Böhmen. Eger blieb davon nicht verschont, denn es diente den Truppen des Reiches, die mehrfach gegen die Hussiten zogen, als Sammelplatz, Nachschubbasis und Umschlagplatz. 1430 passierten die Hussiten auf dem Weg von Nürnberg zurück nach Böhmen die Stadt Eger. Dabei brannten sie einen Teil der außerhalb der schützenden Stadtmauer liegenden Obertorvorstadt nieder. Nur durch die Zahlung einer großen Summe konnten sie zum Abzug bewegt werden.

 

Eger beteiligte sich nicht am böhmischen Aufstand, der 1618 mit dem Prager Fenstersturz seinen Ausgang nahm und in den Dreißigjährigen Krieg einmündete. Trotz dieser kaisertreuen Haltung huldigten die Egerer 1619 dem böhmischen König Friedrich, der für sie nicht mehr als ihr Pfandherr war.

 

Auf dem Höhepunkt seiner Macht, 1628, unterzog Kaiser Ferdinand dann die Rekatholisierung besonders hartnäckig und konsequent in Eger und belegte die Stadt 1627 widerrechtlich mit einer Bier- und Weinsteuer, wie sie für ganz Böhmen eingeführt wurde. Der strategische Wert der Stadt Eger ist davon gekennzeichnet, dass Wallenstein in dieser Zeit in Eger wiederholt sein Lager aufschlug und von dort wichtige Feldzüge unternahm. Seine Ermordung im Jahre 1634 in Eger setzte einen traurigen Schlussstrich unter ein bis heute umstrittenes Kapitel der deutschen Geschichte.

 

1647 kam es noch einmal zu schweren Kämpfen um die Reichsstadt zwischen den Kaiserlichen und den Schweden. Der kaiserliche Stadtkommandant ließ die Vorstädte niederbrennen, um freies Schussfeld zu haben. Nach vierwöchiger Belagerung gelang es den Schweden, die Festung einzunehmen. Unter schweren Leiden, Entbehrungen und Heimsuchungen überstand die Stadt den Dreißigjährigen Krieg. Die Haupterwerbsquellen aber, Handel und Gewerbe, waren durch die Kriegsereignisse, durch Kontributionszahlungen, Rohstoffmangel und Requirierungen derart stark in Mitleidenschaft gezogen oder gänzlich lahmgelegt worden, dass an einen wirtschaftlichen Aufschwung großen Stils nicht zu denken war. Der Aufbau, bei dem neue Erwerbsquellen erschlossen wurden, dauerte bis ins 18. Jahrhundert.

 

Die heilbringenden Quellen brachten weiteren Reichtum. Kaiser, Könige, Minister, Gelehrte, Künstler und Dichter waren Kurgäste im Bäderdreieck Karlsbad, Marienbad und Franzensbad.

Aber das Egerland war trotz Industrie und der berühmten Kurorte eine im Wesen bäuerliche Landschaft. In der Freizeit musizierte der Egerländer gern auf dem Dudelsack, der Klarinette, der Geige oder der Harfe.

 

Die Vertreibung in den Jahren 1945/46 haben die Egerländer nie ganz verwunden. Mit Stolz wird bis heute das alte Brauchtum gepflegt und an die Kinder weitergegeben.