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Vinzenziausstellung 2012

Ausstellungsplakat Hans Kuttner

 

"Hans Kuttner – Plakate und grafische Arbeiten"

Zum 61. Vinzenzifest in Wendlingen am Neckar hatte die Egerländer Gmoi wieder eine besondere Ausstellung zusammengestellt.

 

Die Ausstellung umfasste Plakate und grafische Arbeiten von Hans Kuttner, welcher 1903 in Marienbad geboren ist und ein bedeutender Künstler im Egerland war. Neben Grafiken und Bildern verfasste er Gedichte und erstellte Festzeitschriften. Nach dem Krieg erfüllte er ehrenamtliche Gestaltungsaufgaben für die Egerländer Gmoi Stuttgart und entwarf regelmäßig Plakate, Titelblätter und Sonderbriefe. Die Ausstellung im Rathaus zeigte Plakate und grafische Arbeiten aus seinem Leben und Wirken.

 

Auszug aus dem Ausstellungskatalog "Hans Kuttner - Leben und Werk". Diese Ausstellung war vom 29.08.2003 bis zum 25.09.2003 im Rathaus der Stadt Wendlingen am Neckar zu sehen.

 

Vorwort

Dieser Katolog ist zum Andenken an einen ebenso begabten, wie bescheidenen Menschen entstanden.

Hans Kuttner wäre am 26. September 2003 einhundert Jahre alt geworden. Seine Verwandschaft, seine Freunde und der Heimatverband der Egerländer verdanken ihm viel.

Er hat über Jahrzehnte sein Umfeld durch seine künstlerische Schaffenskraft maßgeblich geprägt. Neben seiner beruflichen Tätigkeit als Grafiker und seiner unermüdlichen Arbeit als freier Maler und Zeichner fand er noch die Zeit, Gedichte zu verfassen und Festzeitschriften zu erstellen. In seiner Zeit im Egerland gab er jedes Jahr eine Faschings- und eine Weihnachtszeitung heraus. Nach dem Krieg erfüllte er eine Vielzahl ehrenamtlicher Gestaltungsaufgaben für die Egerländer Gmoi Stuttgart er entwarf regelmäßig Plakate, Titelblätter und Sonderbriefe, schrieb unzählige kalligrafisch hochaufwändige Urkunden und nahm auch noch Aufgaben als Kulturwart war. Er bedachte außerdem zu jedem Anlaß alle Verwandten und Freunde mit persönlich gestalteten Glückwunsch- und Grußkarten.

Hans Kuttner wurde besonders durch seine Landschafts- und Städteaquarelle bekannt, die jeden Betrachter durch ihre emotionale Tiefe, ihre fein beobachtete Lichtstimmung, ihren Detailreichtum und ihre Zeitlosigkeit in eine intere Harmonie zu versetzen verstehen.

Hans Kuttner erhielt zahlreiche Ehrungen, darunter die Abt-Reitenberger-Ehrenmedaille sowie die Bundesverdienstmedaille und die höchsten Auszeichnungen des Bundes der Egerländer Gmoin. [...]

 

Der Künstler

Portrait Hans KuttnerHans Kuttner wurde als jüngstes von sechs Kindern des Schlossermeisters Wenzel Kuttner und seiner Frau Marie, geborene Heimerl, am 26.09.1903 in Marienbad geboren. Schon früh war seine besondere Begabung für das bildnerische Gestalten erkennbar. Nie war er ohne Papier und Bleistift anzutreffen. Er skizzierte zu jeder nur denkbaren Gelegenheit ein Detail oder hielt eine Stimmung fest, die er später am Zeichentisch weiter ausarbeitete. Die Entwicklung seines Talents war zunächst auf die Freizeitmalerei beschränkt. Er konnte aber einen Ausbildungsberuf in einer artverwandten Disziplin ergreifen und wurde Fotograf bei einem Marienbader Atelier. Hans Kuttner liebte seine Heimatstadt von ganzem Herzen. Das gepflegte, von breitem Wohlstand geprägte Ambiente der Kurstadt, eingebettet in das landschaftlich äußerst reizvolle Egerland waren ihm Inspiration und Entfaltungsraum.

Nach der Fotografenlehre und seiner Arbeit als Werbefotograf besuchte der eine Fortbildungschule für das grafische Gewerbe und fand so den Einstieg in die Tätigkeit als Grafiker. In den folgenden Jahren führte ihn sein Weg von der kunstgewerblichen Werkstatt Prapez und dem Werbebüro der Kaffee Hag AG in Marienbad zum Vogel-Verlag in Franzensbad. Er beschäftigte sich in den zwanziger und dreißger Jahren seines Lebens ausschießlich mit den Dingen, die ihm Freude bereiteten: Er verdiente sein Geld als professioneller Werbegrafiker, las und schrieb oft, war mit Freunden häufig wandern, skifahren, fahrradfahren oder schwimmen und war sehr im Marienbader Turnverein angagiert, dessen Vereins- und Gauvorturner er war.

Sein Bildungsdurst führte ihn 1938 für ein Jahr an die freie Kunstschule in München.

Die Eheschließung im September 1939 mit seiner Frau Martha, geborene Wilke, wurde bereits durch den Kriegsbeginn überschattet. Mit seiner Einberufung im Juni 1942 war die Idylle endgültig zu Ende, und eine schwere Zeit brach an.

Aber selbst unter den schwierigsten Umständen fand Hans Kuttner stets die Möglichkeit, seine Erlebnisse im Bild feszuhalten.

Wenn man die durch alle Kriegswirren geretteten Skizzen und Aquarelle aus Hans Kuttners Zeit als Soldat im Russlandfeldzug betrachtet, stellt man sich zurecht die Frage, was der denn außer Land und Leute zu portraitieren anderes getan haben kann. Aber er war Vollblutkünstler und nutzte jede freie Minute zum zeichnen und aquarellieren. Er genoss überdies die Unterstützung seiner Kommandeure, die ihm oft einen Kameraden als Wachpersonal auf seinen Zeichenexkursionen zur Seite stellten. In regelmäßigen Abständen schickte er seine Arbeiten per Feldpost zu seiner Frau nach Hause. Nie ist auch nur ein Stück abhanden gekommen. Die Sammlung ist bis heute lückenlos erhalten. Seine Skizzen und  Zeichnungen aus Masuren und Postpreußen konnte er aber leider nicht mehr in die Heimat senden. Sie gingen beim fluchtartigen Rückzug kurz vor Kriegsende verloren. Sein gezeichnetes Tagebuch aus der Zeit der russischen Gefangenschaft hingegen durfte er behalten. So sind bis auf wenige Ausnahmen die Werke aus Russland die ältesten erhaltenen Arbeiten von Hans Kuttner.

Fest restlos alles aus der Zeit im heimatlichen Egerland ging in den Besitz der Tschechen über. Sein Andenken ist dort allerdings nicht ganz untergegangen. Er wird auf einigen tschechischen Internetseiten als bedeutender Maler und Grafiker der Region Marienbad gewürdigt, über den Verbleib siner zahlreichen Bilder ist nedoch nichts bekannt.

Nach der Vertreibung aus der Heimat und der Ansiedlung im raum stuttgart konnte Hans Kuttner glückerlicherweise wieder sofort in seinem Fachgebiet tätig werden. Er arbeitete zunächst in der grafischen Werkstatt Noller und später in der Tapisserie Ropi in Stuttgart Bad Cannstatt bis zu seinem Ruhestand im Jahre 1968. Nun konnte sich Hans Kuttner voll der freien Malerei und außerdem seinen Aufgaben für die Egerländer Gmoi und für den Marienbader Heimatbrief widmen. Es folgten viel sehr produktive Jahre mit regelmäßigen Ausstellungen.

Erst Ende der achtziger Jahre wurden Hans Kuttners fleißige Hände allmählich müde. Er entschlief am 26.04.1990 in seiner Wohnung in Bad Cannstatt im Alter von 86 Jahren und hinterließ ein Lebenswerk von beeindruckendem Umfang und höchster künstlerischer Qualität. [...]