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Die Egerländer Tracht

Das Gebiet der Egerer Tracht war nicht sehr groß im Vergleich zu den angrenzenden Gegenden, in der die Unterländer- und die Südegerländer Trachten getragen wurden. Eine Besonderheit ist, dass über die Egerer Tracht schon seit 200 Jahren verschiedene Beschreibungen vorhanden sind, während über die anderen Trachten kaum geschrieben wurde.

 

Bis ca. 1820 trugen die Egerländerinnen und Egerländer die Trachten ihrer Blütezeit, die sich noch etwa bis 1880 weiterentwickelten – jedoch nicht mehr in den ausgeprägten Formen. Das Ursprüngliche und Gewachsene ging mit der Zeit verloren und der Einfluss der Stadtmode wurde immer größer, bis schließlich auch die Landbevölkerung ganz zur Stadtmode überging. Für die Trachten begann nun die sogenannte „Truhenpause“. Sie verschwanden in Schränken und Truhen und waren, mit sehr wenigen Ausnahmen, nirgends mehr zu sehen.

 

Der „Bund der Deutschen“, ein sudetendeutscher Schutzverband zur Erhaltung des Volksgutes, veranstaltete Anfang der 1930er Jahre sogenannte „Trachtenfeste“. Zu diesen Gelegenheiten wurde dazu aufgerufen die alten Egerländer Trachten aus den Truhen und Schränken zu holen, in denen sie annähernd 50 Jahre ruhten, und diese zum Fest zu tragen.

 

Diese Aufforderung fand ein ungeahntes Echo: Die Egerländer besannen sich wieder auf ihre traditionelle Kleidung und förderten so manches schöne Stück oder ganze Trachten zutage. Man sah plötzlich wieder den „Festtagsstaat“ der alten Egerländerinnen, der aus den schönsten Samt-, Seiden- oder Wollstoffen, herrlichen Schulter-, Kopf- und Umhängetüchern, seidenen und wollenen Spenzern, buntbestickten Brokatbändern, Gold-, Silber-, Weiß- und Finnerlhauben, Silberschmuck, handgestrickte Strümpfe mit den kompliziertesten Strickmustern, Schnallenschuhen und noch vielem mehr bestand. Auch die Männer konnten sich sehen lassen mit ihren schwarzen Pumphosen, verschiedenfarbigen Schwenkern, Jankern und Westen, mit dem Bänderhut oder dem Quastenhut, den Hosenträgern mit den funkelnden Oantoutaran, den Schnallenschuhen oder Stiefeln und vielem mehr.

 

Schon bald stellte sich heraus, dass es nicht mehr genügend Trachten gab und die alten Sachen schon recht brüchig und zerschlissen waren. Man begann neue Trachten zu schneidern und musste feststellen, dass es zum einen die alten Stoffarten und anderes Zubehör nicht mehr gab und zum anderen auch keine Nähanleitungen mehr vorhanden waren. Dies alles war aber wichtig in Hinsicht darauf, dass es nicht nur eine Egerländer Tracht gab, sondern mehrere, die stark von einander abwichen. So gab es nicht nur Unterschiede zwischen den einzelnen Landschaften, sonder teilweise sogar von Ort zu Ort. Um einen Wildwuchs bei den neuen Trachten zu vermeiden, wurde unter der Leitung von Prof. Dr. Hanika der Karls-Universität Prag in Zusammenarbeit mit dem „Bund der Deutschen“ Arbeitskreise für die Trachtenerneuerung der einzelnen Gebiete gegründet. Diese Arbeitskreise gaben, streng angelehnt an die historischen Formen, neue Vorschriften für die Trachten heraus. Dabei ließen sie jedoch völlig veraltete Dinge weg und legten erhältliche Stoffarten für die neuen Trachten fest. Es wurden auch nicht alle Details erneuert, sondern versucht die Anfertigung so einfach wie möglich zu machen und Fehler auszuschließen. So konnte die frühere Vielfalt der Trachten nicht mehr erreicht werden. Starke Abstriche wurden vor allem bei der Männertracht gemacht. Hier bestimmte man, dass die Egerer Männertracht für das gesamte Egerland gelten kann. Auch die Egerer Frauentracht galt neben den Trachten der einzelnen Landschaften ebenfalls als für das gesamte Egerland tragbar. Grund dafür war, dass die Egerer Frauentracht am einfachsten herzustellen war. Um aber wieder erkennen zu können woher die Trachtenträgerin kam, bestimmte man, das der Kreis Eger grüne Brustmieder (Leibel) tragen sollte, der Kreis Karlsbad blaue, der Kreis Luditz beige, der Kreis Tachau lila usw. Diese Vorschrift setzte sich jedoch nicht durch, da die Frauen die Farbe wählten, die ihnen am besten gefiel. Das tat zwar in der Gesamtheit der Egerer Tracht keinen Abbruch, denn jede Farbe (außer schwarz) sollte für das Leibel zulässig sein, aber man konnte nicht mehr erkennen, aus welcher Gegend die Trachtenträgerin kam.

 

Während des Zweiten Weltkriegs wurde es um die Trachten etwas stiller. Trachtenfeste oder Ähnliches gab es kaum noch. Danach kam die Vertreibung der Egerländer aus der Heimat. Trotz des großen Verlustes, gelang es einigen ihre Tracht oder Teile davon zu retten. Bald sah man bei den Zusammenkünften der Vertriebenen die eine oder andere Tracht wieder auftauchen, anfangs zwar etwas zusammengewürfelt und nicht ganz stilecht, aber der Wille, kundzutun, man ist Egerländer, ließ manche strenge Trachtenvorschrift einfach vergessen. Nachdem sich die Egerländer wieder zusammenschlossen, wurde auch der Wunsch nach dem Tragen der Tracht wieder wach. Bereits in den 1950er Jahren lief die Herstellung der Stammeskleidung auf Hochtouren. Zugrunde gelegt wurden die Vorschriften für die erneuerte Tracht, wie sie in den 1930er Jahren ausgearbeitet wurden. Ein ungeahnter Trachten-ufschwung begann und hat sich bis heute fortgesetzt. Die Tracht ist zum Ehrenkleid der Egerländer geworden.

 

Egerer Tracht

 

Heute gehören zu einer erneuerten Egerer Männertracht ein weißes Hemd, schwarze Pumphosen, weiße Strümpfe und schwarze Halbschuhe. Ferner Hosenträger aus Leder, ein schwarzes Halstuch, Hut, Jacke, Kappe sowie ein rotes Taschentuch.

 

Die Egerer Frauentracht setzt sich aus dem Leibel, einem weißen Oberhemd, einem Brusttuch, weißen Strümpfen und schwarzen Schuhen zusammen. Weiter gehören ein roter Rock, eine schwarze Schürze, Kopf- und Umhängetuch, Ärmelbänder und der Schmuck dazu.